Gold, Myrrhe und Weihrauch: Drei Wochen im Orient

Von den arabischen Ländern, die wir in den vergangenen drei Wochen bereist haben, wussten wir vorher zugegebenermaßen wenig. Orient, das klang immer ein bisschen nach Märchen aus tausendundeiner Nacht, nach Gewürzmarkt und Goldhandel, nach Kamelen und fliegenden Teppichen. Was wir wirklich dort erlebt haben und warum das gar nicht so weit vom Märchen entfernt ist, lest Ihr hier.

Dubai

Größer, höher, schneller, weiter: Dubai versucht ständig, nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Städte zu übertreffen. So gibt es hier mit dem Burj Khalifa nicht nur das höchste Gebäude der Welt, sondern auch die größte Shopping Mall und – wie passend – die höchste Millionärsdichte der Welt. Gerade wird schon die nächste Mall errichtet, die dann wiederum die größte der Welt sein wird. Überall strahlt dem Besucher hier der pure Luxus entgegen.

Anfangs wunderten wir uns über diesen Ehrgeiz der Dubaier, immer der absoluten Spitze angehören zu wollen. Wozu das ganze? Doch unser Guide, der mit uns in die Wüste fuhr, löste das Rätsel bald für uns:

Dubai wurde in den späten 70er Jahren durch Öl reich. Doch schon seit den 90ern sitzt das Emirat auf dem Trockenen. Um den Reichtum zu bewahren, braucht das Land Einnahmen aus den zwei großen Wirtschaftszweigen Tourismus und Immobilien – und um Menschen für beides zu gewinnen, muss Dubai attraktiv bleiben. Deshalb reicht es nicht, einmal der modernste Staat gewesen zu sein; ständige Weiterentwicklung ist die Devise.

Womit Dubai allerdings nicht punkten kann, ist Geschichte. Erst mit dem Öl kam der Boom – die sogenannte Altstadt von Dubai ist gerade einmal knapp 50 Jahre alt. Vorher war hier Wüste.

Natürlich wollten wir sie auch sehen, die Wüste, die unendliche Weite, das große Nichts. Wir machten uns auf zur Wüstensafari. Heutzutage fährt man mit Jeeps hinaus in den Sand – die Kamele stehen nur noch für eine kurze Runde Reiten optional zur Verfügung.

Unser einheimischer Guide Hamad fuhr ungefähr zwanzig Minuten mit uns über die Dünen, bevor wir an ein nachgebautes „Beduinendorf“ kamen. Dort erlebten wir einen sehr schönen Abend, der tatsächlich an Märchen aus tausendundeiner Nacht erinnerte: Arabisches Barbecue (mit einem Buffet für Männer und einem anderen für Frauen), Bauchtänzerin und Feuerspucker. Eine Shisha-Ecke lud zum Verweilen ein und wer wollte, konnte sich mit Henna Verzierungen auf die Haut zeichnen lassen.

Mit dem heutigen Dubai hat das allerdings recht wenig zu tun; das wurde uns spätestens dann klar, als Hamad uns auf der Rückfahrt versicherte, die Bauchtänzerin wäre Russin gewesen, denn arabischen Frauen sei das natürlich verboten.

Das Gefühl zwischen Faszination und Irritation, das Dubai an diesem Abend in uns auslöste, begleitete uns noch bis zum Ende unseres Orient-Aufenthalts.

Abu Dhabi

Abu Dhabi ist die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate und steht Dubai in Glanz und Gloria nur wenig nach. Gold prangt dem Besucher hier aus jeder Ecke entgegen. Im „Emirates Palace“, einem Hotel, das ursprünglich als Treffpunkt für Staatsverhandlungen gebaut wurde, inzwischen aber als Luxus-Unterkunft fungiert, wird man vom Prunk förmlich erschlagen. Gold an Decken, Wänden und Böden, im Kaffee und aus dem Automaten (ja, man kann hier wirklich Gold aus dem Automaten ziehen).

Mindestens genauso schön, allerdings deutlich stilvoller und mit mehr Understatement kommt ein weiteres Wahrzeichen Abu Dhabis daher: Die Scheich-Zayed-Moschee, in der 40 000 Gläubige Platz finden, um zu beten. Dieser „Palast des Islam“ hat uns wirklich in seinen Bann gezogen. Vier Stunden haben wir auf dem Gelände verbracht und die Moschee von innen und außen bewundert – und das nicht, weil wir so ein unstillbar großes Interesse an religiösen Stätten hätten, sondern weil dieses architektonische Meisterwerk gerade während des Sonnenuntergangs in jedem Licht toll aussieht. Aber genug der Worte, seht selbst, was uns so verzaubert hat:

Weil man in Abu Dhabi auf Kunst und Kultur generell sehr viel Wert legt, entstand im vergangenen Jahr (2017) dort ein Museum, das Seinesgleichen im arabischen Raum sucht: Das Louvre Abu Dhabi. Die Namensgleichheit mit dem französischen Museum ist dabei kein Zufall – die beiden Kulturstätten sind Partner und im ständigen Austausch. Zur Eröffnung kam nicht nur der französische Präsident; auch einige altehrwürdige Kunstwerke wie das Portrait Napoleons wechselten ihren Standort von Paris nach Abu Dhabi.

Auch wir statteten dem fast noch neuen Louvre einen Besuch ab und bewunderten nicht nur die alten Werke (zu moderner Kunst fehlt uns irgendwie der Zugang…), sondern auch die wirklich interessante Architektur des Museums.

Bahrain

In Bahrain hatten wir das Glück, eine sehr gute Fremdenführerin zu haben: Birgit, eine Deutsche, die 2001 nach Bahrain auswanderte. Sie zeigte uns ihre Wahlheimat und versorgte uns dabei mit Hintergrundinfos. Ohne sie wären wir vermutlich nie im Souk von Muharraq gelandet, wo wir miterleben durften, wie Bäcker das Fladenbrot heute noch wie vor tausend Jahren backen.

Mit Birgit machten wir eine Tour durch den ganzen Inselstaat Bahrain – von den Türmen des World Trade Centers in der modernen Innenstadt Manamas bis zur Formel-1-Strecke in der Wüste, die der Kronprinz auch gerne selbst mal nutzt.

Da Birgit selbst mit einem Bahraini verheiratet und in die Familie integriert ist, konnten wir auch einen kleinen Einblick in das Privatleben der arabischen Familien gewinnen. So erzählte sie uns, dass Häuser üblicherweise zwei Wohnzimmer hätten: Eines für die Männer der Familie und eines für die Frauen, wobei Familienangehörige natürlich auch in das jeweils andere Zimmer gehen dürfen – nicht aber Besucher. Männlichen Besuchern ist es streng untersagt, in das Frauenzimmer zu gehen. Der Grund dafür: In den eigenen vier Wänden dürfen sich Frauen anziehen (oder auch nicht anziehen), wie sie wollen. Oft stecke unter der langen schwarzen Abaya, die jede arabische Frau in der Öffentlichkeit trägt, ein Minirock oder eine knallige Jogginghose. Der schwarze, leichte Mantel, wird angezogen, sobald fremde Männer einen Blick auf die Frau werfen könnten – sozusagen als Versicherung, dass die Frau nicht aus Versehen einen fremden Mann verführe.

So fremd das für unsere Ohren klingen mag, so normal ist dieses Verhalten hier in den arabischen Ländern. In den Malls und auf den Straßen sieht man einheimische Frauen tatsächlich fast ausschließlich in ihren schwarzen Abayas; teils sind auch ihre Gesichter verhüllt, teils schaut neben dem Gesicht auch ein Teil des Haars heraus. Es gibt auch extra Geschäfte, in denen die Frau eine schier unendliche Auswahl aus schwarzen Abayas hat – Shopping ist eben auch bei streng muslimischen Frauen in ;).

Katar (oder Qatar, je nach Schreibweise ;))

Doha, die Hauptstadt von Katar, machte auf uns erst einmal keinen besonders guten Eindruck: Zu Fuß konnte man sich kaum fortbewegen, ständig versuchten unterbeschäftigte Taxifahrer, uns eine Fahrt zu verkaufen. Fast schon aus Verzweiflung flüchteten wir uns ins Museum für islamische Kunst. Das stellte sich als guter Ort für einen Aufenthalt über Mittag heraus – während draußen die Sonne vom Himmel brannte, schlenderten wir durch die klimatisierten Räume aus weißem Marmor und lernten nebenbei noch etwas über islamische Kunst und Kalligraphie.

Später machten wir uns dann doch zu Fuß auf in die Altstadt – und das war die richtige Entscheidung, denn der Souk von Doha war der schönste, den wir auf dieser Reise entdeckten.

Souks sind das, was wir als Basar bezeichnen würden: Märkte mit vielen kleinen Ständen oder Geschäften in einer abgemauerten Halle oder Altstadt – geschützt vor der Sonne, die im Sommer die Luft auf über 40 Grad erhitzt. In einem Souk tummeln sich Händler für Lampen, Vasen, Geschirr, Töpfe, Schmuck, Spielzeug und vieles mehr. Natürlich kommen auch die Lebensmittel nicht zu kurz: Von süßen gefüllten Datteln bis zu den weltberühmten Gewürzmischungen kann man alles kaufen. Und so riecht es dann auch im Souk – nach Zimt und Kardamom, Koriander und Nelken, Muskat und Weihrauch.

Da standen wir also in Doha und waren, nachdem der Tag eher bescheiden angefangen hatte, doch noch im Märchen von tausendundeiner Nacht gelandet. Neben uns saßen Männer in ihren typischen weißen Gewändern und rauchten im Café eine Shisha, Händler breiteten ihre Waren aus und durch die Luft waberten Weihrauch-Wolken und Gewürzduft. Man hätte glauben können, im nächsten Moment käme aus einer der Lampen ein Geist geschwebt und würde nach unseren drei Wünschen fragen.

Gut, der märchenhafte Eindruck erledigte sich dann auch relativ schnell wieder, als wir versuchten, zu Fuß aus der Altstadt wieder zum Hafen zu laufen. Katar ist einfach (noch) nicht für Fußgänger gemacht – bis zur WM im Jahr 2022 ist hier noch einiges zu tun.

Oman

Schon vom Hafen aus gesehen machte der Oman – oder vielmehr Muscat, seine Hauptstadt, einen anderen Eindruck als die anderen arabischen Länder, die wir besucht hatten: Statt Wüste sahen wir Berge – und einen überdimensionale Weihrauchbrenner, das Wahrzeichen Muscats.

In der Stadt selbst dann kam uns weniger Gold, Prunk und Protz entgegen als an den anderen Orten – doch Muscat wirkt auf keinen Fall ärmlich! Im Gegenteil, die Gebäude aus weißem Marmor und hellem Sandstein verbreiten eine stilvolle Atmosphäre mit traditionell arabischen Flair.

Die Stadt Muscat ist konstant in Veränderung und wächst stetig. Das führt unter anderem dazu, dass einige Viertel der Altstadt schon dem Abriss zum Opfer gefallen sind (dort steht jetzt der Palast des Sultans). Unser Taxifahrer Ahmed, selbst Omani, sieht das allerdings positiv: „Before, Muscat small city and some villages. Now, Muscat bigger and bigger!“ lachte er.

Zum Wohlergehen seines Volks arbeitet der Sultan nicht nur am Gesundheitssystem und versucht, die Bildung seiner Untertanen auf international wettbewerbsfähigem Niveau zu halten; er beschenkt sein Volk auch mit großzügigen Gaben wie dem Opernhaus oder der großen Moschee, die wir auf unserer Tour besichtigten.

Die Moschee zählt zu den größten der Welt und fasst ungefähr 20 000 Gläubige.

Am Ende unserer Tour setzte uns Ahmed am alten Souk ab. Überdacht und so vor der Mittagssonne geschützt finden hier zahlreiche Händler Platz. Wir hätten hier von arabischen Hochzeitstruhen, Lampen und Weihrauchbrennern bis hin zu Kinderwägen und nachgemachten Fussballtrikots alles kaufen können. Mangels Platz im Rucksack und Geld in Landeswährung haben wir uns aber nur auf das Schauen und Riechen (Weihrauch und Mhyrre!) beschränkt.

Fazit

Der Orient, die arabischen Emirate, der mittlere Osten – wie auch immer man es nennen will: Für uns waren die drei Wochen in Dubai, Abu Dhabi, Bahrain, Katar und Oman eine ganz neue Erfahrung. Frauen in langen schwarzen Gewändern und Männer in weißen; nach Geschlechtern getrennte Gebetsräume in Shopping-Malls; Muezzin-Rufe und Weihrauchduft; Sheiks und Sultane; Gold in Automaten und auf Kaffee – das alles war für uns völlig unbekannt.

Zurück bleibt bei uns das Gefühl, das uns schon in Dubai beschlichen hat: Irgendwo zwischen Faszination und Irritation. Der Prunk, Protz und die Gloria, das Gold und der Luxus – das alles ist toll anzusehen. Sicher lässt es sich auch gut darin leben, solange man zu den Reichen der Gesellschaft gehört. Aber ist das nicht alles irgendwo Wahnsinn? Mitten in der Wüste künstliche Flüsse zu graben, um die größte Wassershow der Welt zeigen zu können? Noch während man das größte Einkaufszentrum hat schon das nächste, noch größere zu bauen, um wieder neue Touristen anzuziehen? Uns beschleicht ein wenig das Gefühl, dass der Reichtum und Ruhm der Emirate – besonders der von Dubai – im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut ist.

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